Jetzt muss auch Daimler in Deutschland 238.000 Dieselfahrzeuge wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung in die Werkstätten zurückrufen. Damit reiht sich ein weiterer Premiumhersteller in die Liste der Autobauer ein, die im Verdacht stehen, bei der Abgasreinigung getrickst zu haben. Mittlerweile entscheiden aber immer mehr Gerichte zugunsten der Autokäufer, denen in diesem Zusammenhang Schadensersatz- bzw. Rückabwicklungsansprüche zugesprochen werden.

Rückruf C-Klasse und GLC / Vito

Der Diesel-Skandal erfasst jetzt auch Mercedes: Jüngst hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer eine Rückruf-Anordnung gegen Daimler erlassen, gegen die der Hersteller allerdings Widerspruch angekündigt hat. Grund ist eine aus Sicht des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) unzulässige Abschaltvorrichtung in der Abgasreinigung in europaweit etwa 774.000 Mercedes-Fahrzeugen. Der Rückruf betrifft laut Verkehrsministerium den SUV GLC 220d und ein Modell der C-Klasse (C 220d). Insgesamt könnten aber weit mehr Daimler-Modelle von den neueren Vorwürfen betroffen sein. Für den Kleintransporter Vito 1,6 Liter mit der Euronorm 6 wurde der Rückruf wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung bereits am 23. Mai 2018 angeordnet.

Wie andere Hersteller auch nutzt Daimler eine Harnstofflösung, um die Abgase zu reinigen – das sogenannte AdBlue. Allerdings verschlechtert sich laut KBA der Wirkungsgrad der Abgasreinigung ohne erklärbaren Grund, sobald der Motor nach dem Start eine bestimmte Menge Stickoxide ausgestoßen hat. Bei neueren Modellen soll eine Softwarevariante dafür sorgen, dass die Motorsteuerung nach etwa 20 bzw. 33 Minuten in einen „schmutzigen“ Abgasmodus wechselt. Das KBA verdächtigt den Stuttgarter Premiumhersteller, unzulässige Abschalteinrichtungen in einem Großteil der neueren Euro-6-Diesel-Flotte eingesetzt zu haben.

Skepsis, ob Nachbesserung möglich

Ob die jetzt voraussichtlich anstehende „Überarbeitung“ der betroffenen Fahrzeuge dazu führt, dass diese danach sauber sind und die Kunden keine Nachteile erleiden, darf bezweifelt werden. Im Fall Volkswagen wurde zur Behebung der Abgasmanipulation ein Softwareupdate durchgeführt. Es gibt aber zahlreiche Berichte, wonach die ursprünglich abgasmanipulierten VW-Fahrzeuge auch nach dem Update die gesetzlichen Emissionsgrenzwerte im Straßenverkehr noch immer nicht einhalten. Außerdem wird über einen Mehrverbrauch und einen höheren Verschleiß berichtet. Viele Kfz-Experten sind außerdem der Ansicht, dass das Update die Haltbarkeit des Fahrzeugs reduziert. In all diesen Fällen bliebe dann ein Schaden bei den Autokunden. Diese können sich dann im Regelfall nur noch juristisch wehren.

Rechtsprechung in der Region Bremen / Oldenburg verbraucherfreundlich

Daimler könnte jetzt - wie schon Volkswagen - eine Klagewelle drohen. Erste Klagen sind bereits gegen den Stuttgarter Autobauer anhängig. Wegen der Abgasmanipulationen des Volkswagen-Konzerns reichten zahlreiche Kunden Klagen in ganz Deutschland ein. Gegen Volkswagen als Hersteller und auch gegen die jeweiligen Verkäufer sprachen diverse Gerichte den VW-Kunden Ansprüche auf Schadensersatz bzw. Rückabwicklung zu. Das Oberlandesgericht Köln bestätigte kürzlich durch Beschluss vom 28.05.2018 (Az. 27 U 13/17), dass der Autohändler verpflichtet sei, den dortigen VW Eos 2,0 TDI zurückzunehmen, in dem eine verbotene Abschalteinrichtung verbaut war.

Bei der Beurteilung des VW-Skandals finden die Gerichte - gerade auch im Bremer Umland - teilweise deutliche Worte. Das Landgericht Verden verurteilte Volkswagen Anfang des Jahres zu Schadensersatz wegen Betruges (Urteil vom 24.01.2018, Az. 2 O 110/17). Das Landgericht Oldenburg warf dem Wolfsburger Autobauer jüngst in Hinweisen ein arglistiges Inverkehrbringen eines mangelhaften Fahrzeugs beziehungsweise Motors vor, dessen Typgenehmigung durch gezielte Manipulation erschlichen worden sei. Sollte sich der Verdacht des KBA bestätigen, dass auch Daimler unzulässige Abschaltfunktionen verwendet hat, wird die inzwischen gegen Volkswagen ergangene Rechtsprechung höchstwahrscheinlich 1:1 übertragbar sein. Dies wäre für Autobesitzer in der Region Bremen / Oldenburg der „Türöffner“ für Rückabwicklungsansprüche. Obendrein sind viele Autofinanzierungen, die mit Verbrauchern abgeschlossen wurden, wegen fehlerhafter Widerrufsbelehrungen bis heute widerruflich.

Ansprüche jetzt kostenfrei prüfen lassen

Betroffene können sich von der Kanzlei Dr. Ehlers im Rahmen einer kostenfreien Erstberatung die Möglichkeiten aufzeigen lassen, welche Ansprüche gegen Händler und bzw. oder gegen den Hersteller bestehen können.

Betroffene Modelle

Nach Informationen von FOCUS Online sind folgende Modelle betroffen:

  • Vito: 1,6 Liter-Diesel und 2,2-Liter Diesel (OM 622 und OM 651; für den Transporter war der verpflichtende Rückruf bereits veröffentlicht worden),
    Produktionszeitraum: Seit 06/2015 bzw. 09/2014 bis 09/2016 (2,2 Liter Diesel)
  • C-Klasse: C 180 d / C 200 d bzw. C 180 BlueTEC / C 200 BlueTEC (08/2014 bis 05/2018 ) sowie C 220 d / C 250 d bzw. C 220 BlueTEC, C 250 BlueTEC, 12/2013 bis 05/2018
  • E-Klasse: E 350 BlueTEC / E 350 d (nur Coupé, C207), 02/2013 bis 12/2016
  • GLC: GLC 220 d / GLC 250 d, 06/2015 bis 06/2018
  • S-Klasse: S 300 BlueTEC HYBRID / S 300 h (OM 651, 12/2013 bis 09/2016)
  • ML-Klasse: ML 250 BlueTEC, eventuell auch GLE 250 d (11/2011 bis 06/2015)
  • G-Klasse: G 350 d (OM 642), 09/2015 bis 12/2015

Fragebogen zum Download

  • Fragebogen DieselDie Kanzlei Dr. Ehlers bietet Betroffenen eine Prüfung individueller Ansprüche an. Ein Formular zur Kontaktaufnahme können Sie hier herunterladen. Über Kosten informieren wir, bevor diese entstehen.