Nachdem das Musterfeststellungsverfahren mit einem Vergleich endet, stehen Besitzer abgasmanipulierter VW-Fahrzeuge nun vor der Entscheidung, den vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) ausgehandelten Vergleich anzunehmen oder jetzt individuell gegen Volkswagen zu klagen. VW bezweckt offenkundig keine großzügigen Zahlungen, sondern Vergleichsangebote zur Vermeidung höherer Zahlungen an die Betroffenen. Für die Betroffenen ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, einen höheren und gut durchsetzbaren Anspruch gegen Volkswagen aus der Hand zu geben, wenn sie das Angebot annehmen.

260.000 VW-Kunden profitieren von rund 830 Millionen Euro

Volkswagen will nach eigenen Angaben im Rahmen des Vergleichs rund 830 Millionen Euro zahlen. Davon sollen rund 260.000 Betroffene des VW-Dieselskandals profitieren, die dann Zahlungen zwischen 1.350 und 6.257 Euro erwarten können. Die Höhe der Entschädigung hängt vom Modell und dem Alter des Autos ab. Im Durchschnitt können die Betroffenen etwa 15 Prozent des Kaufpreises erwarten.

Höhere Ansprüche bei Individualklage möglich

Ob Verbraucher die Angebote annehmen sollten, hängt vom Einzelfall ab. Leicht mag die Entscheidung nicht fallen, allerdings sind die Entschädigungen bei Individualklagen zum Teil bereits deutlich höher ausgefallen. Zudem berücksichtigen die Vergleichsangebote, soweit bisher bekannt, keine Deliktszinsen. Dabei handelt es sich um eine vier prozentige Verzinsung des Kaufpreises zwischen Zahlung und Klageerhebung. Solche Zinsen werden von einigen Gerichten in Deutschland zugesprochen und erhöhen den Anspruch gegen Volkswagen noch einmal erheblich. Deshalb lohnt es sich in jedem Fall, das Angebot von Volkswagen von einem Anwalt genauestens unter die Lupe nehmen zu lassen.

VW zahlt Anwaltsberatung zu Vergleichsangebot

Die Kosten einer solchen anwaltlichen Beratung übernimmt Volkswagen, wenn der Vergleich angenommen wird. Somit können sich Verbraucher vor ihrer Entscheidung von einem Anwalt ihrer Wahl zum jeweiligen individuellen Vergleichsangebot beraten lassen.

VW will Vergleichsentscheidung vor Einschätzung des Bundesgerichtshofes

„Die an sich erfreuliche Nachricht, dass jetzt eine schnelle Lösung winkt, ist am Ende nichts anderes als Berechnung und Prozesstaktik von Volkswagen“, meint Rechtsanwalt Dr. André Ehlers. Denn am 5. Mai 2020 werde sich der Bundesgerichtshof voraussichtlich mit dem Dieselskandal befassen. „Wenn sich das oberste Zivilgericht dann zugunsten des Klägers positioniert, wäre die Musterfeststellungsklage sowieso praktisch vorentschieden gewesen“, so Dr. Ehlers. Nach Angaben der VZBV war Volkwagen eine Entscheidung vor der ersten Verhandlung des Bundesgerichtshofs wichtig. Deshalb wird das Entschädigungsangebot bis zum 20. April 2020 begrenzt sein. „Dass Volkswagen möglichst viele Verfahren durch Vergleichszahlungen vor dem Gerichtstermin beenden will, deutet darauf hin, dass man in Wolfsburg wohl tendenziell davon ausgeht, dass der BGH zugunsten der VW-Kunden entscheidet“, ist Dr. Ehlers überzeugt. Danach würden sich dann wohl die Wenigsten mit nur 15 Prozent des Kaufpreises zufrieden geben.

Nicht alle erhalten Vergleichsangebot

Alle Teilnehmer der Musterfeststellungsklage am Oberlandesgericht Braunschweig werden Mitte März Post von VW bekommen. Darin werden sie informiert, ob sie Entschädigungen bekommen können oder nicht. Der erzielte Vergleich betrifft die Eigentümer von Dieselautos der VW-Konzernmarken mit EA189-Motoren. Die Schummelmotoren waren in Modellen der Kernmarke VW-Pkw und in Fahrzeugen von Audi, Skoda und Seat eingebaut. Kein Angebot wird erhalten, wer sein Auto nach dem 31. Dezember 2015 gekauft hat. Auch wer im Ausland gemeldet ist, kann nicht mit einem Vergleichsangebot rechnen. Das gleiche gilt für Autobesitzer, die ihre Ansprüche an einen juristischen Dienstleister (z.B. myright / financialright) abgetreten haben oder die sich nicht zur Musterfeststellungsklage angemeldet haben.

Angebot von VW auf anwaltliche Prüfung nutzen

Das Gesamtangebot zeigt: VW will keine großzügigen Zahlungen leisten, sondern offenbar durch Vergleichsangebote diejenigen teilentschädigen, die ohnehin höhere Zahlungen erwarten können. Für die Verbraucher, die jetzt ein Angebot erhalten, ist die Wahrscheinlichkeit deshalb sehr groß, höhere Ansprüche gegen Volkswagen zu haben. Die möglichen oben erwähnten Deliktszinsen blieben auch unberücksichtigt. Deshalb ist die Prüfung jedes einzelnen Vergleichsangebotes durch einen Anwalt eigener Wahl dringend empfohlen, zumal die anwaltliche Erstberatung wegen der Kostenübernahme durch Volkswagen kostenfrei sein wird.

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In der Rechtsprechung werden unterschiedliche Gesamtlaufleistungen angenommen, gängig sind 250.000 km und 300.000 km.

Gefordert wird der Kaufpreis:
abzüglich der Nutzungen / Vorteile:
zu erwartender Rückzahlungsbetrag:

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Die Angaben dienen der Orientierung und sind ohne Gewähr.